Viele Zahnärzte in Deutschland machen ihr Hobby zum Beruf. Wie bei einem Hobbybastler wird nach Lust und Laune gebohrt, gefüllt und gezogen. Das die Behandlungen zum Teil nicht der medizinischen Notwendigekeit entspricht, das ist ihnen egal. Gerade Privatpatienten werden als willkommene Opfer angesehen, mit denen man das knappe Budget etwas aufbessern kann. Da wird aus einer Regeluntersuchung, die in etwa mit 100.- EUR zu veranschlagen wäre mal ganz schnell eine Wurzelkanalbehandlung für 500.- EUR. Schlecht ausgeführt kann diese dann im nöchsten halben Jahr nochmal weitere 2000.- EUR Umsatz bringen, wenn der Zahn gezogen und der enstprechnde Zahnersatz implantiert werden muss. Schlägt ihnen der Zaharzt eine Behandlung vor, die sie nicht nachvollziehen können, dann sollten sie mißtrauisch werden. „In solchen Fällen sollte er nicht zögern, eine Zweitmeinung einzuholen“, rät Stefan Zimmer, Professor für Zahnerhaltung am Universitätsklinikum Düsseldorf, in der Zeitschrift „Stern Gesund Leben“. Wird eine zweite Zahnarztmeinung eingeholt und weicht diese von der ersten ab, sollte laut Zimmer eher demjenigen Arzt geglaubt werden, der weniger behandeln möchte. Der Vorsorgespezialist warnt jedoch davor, aus Sorge vor Fehlbehandlungen zu häufig den Arzt zu wechseln. Zahnarzt-Hopper haben einer Studie zufolge schlechtere Zähne als Zahnarzttreue.

Bei der Diagnose von Karies gibt es große Spielräume. Solange die Oberfläche des Schmelzes noch nicht eingebrochen ist, kann der Defekt bei guter Zahnpflege von selbst ausheilen. Daher ist es besser für die Zähne, einen nicht eindeutigen Kariesbefund erst einmal zu beobachten, statt gleich den Bohrer anzusetzen. Um eine Füllung zu setzen, muss immer gesunde Zahnsubstanz geopfert werden. Selbst wenn die Reparatur nach allen Regeln der Kunst erfolgt, ist der Zahn anschließend anfälliger für Karies.

Vorsicht ist auch bei Wurzelbehandlungen geboten, die etwa sechs Millionen Mal im Jahr über die Krankenkassen abgerechnet werden. Die Prozedur ist oft die letzte Möglichkeit, einen entzündeten Zahn zu retten. Laut einer Untersuchung der Universität Göttingen scheitert der Eingriff jedoch in vielen Fällen. Bei 200 untersuchten Fällen waren in etwa jedem zweiten Fall die Zahnärzte nicht gründlich genug vorgegangen: Bakterien waren in den Wurzelkanälen der Zähne zurückgeblieben, mehr als die Hälfte der Wurzelfüllungen war zu kurz.

Rund 90 Prozent der Zähne könnten nach einer Wurzelbehandlung erhalten werden, vorausgesetzt, die Zahnärzte würden die Therapie mit viel Sorgfalt, Zeit und spezieller Ausrüstung nach aktuellen Richtlinien durchführen. Zahnmediziner, die sich auf Wurzelerkrankungen und -behandlungen (Endontie) spezialisiert haben, sollen deutlich höhere Heilungsquoten erreichen als herkömmliche Zahnärzte. Patienten, die einen solchen Experten aufsuchen, sollten jedoch damit rechnen, einen zusätzlichen Behandlungsvertrag mit dem Fachmann abschließen und den Eingriff selbst bezahlen zu müssen.

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