Die Privatpatienten werden von Ärzten und Kliniken regelrecht zur Schlachtbank geführt, denn da bei den gesetzlich versicherten Patienten die Honorare gering sind, wird bei Privatpatienten doppelt und dreifach abkassiert.

Privatpatienten in Deutschland genießen besondere Previlegien. Sie müssen für Behandlungen in der Regel nichts dazu zahlen, bekommen natürlich immer die besten Therapien und die teuersten Medikamente und sie müssen keine lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Was zuerst wie ein Vorteil aussieht, das kann aber auch ganz schnell zum Nachteil werden, denn wenn ihr Arzt die Therapie nicht nach medizinischen sondern nach monetären Kriterien auswählt, dann muss das nicht immer zu ihrem Besten sein. Ganz nach dem Motto, was teuer ist, muss nicht gut sein.

Ich habe es am eigenen Leib erlebt, wie Ärzte hier vorgehen. Man hat eine Frage an seinen Arzt, deren Beantwortung eigentlich nur Beratungsgespräch von etwa 5 Minuten benötigen würde und statt dessen geht man nach 30 Minuten mit einer Prostatauntersuchung, einem Ultraschall und mit einem Rezept für Medikamente im Preis von 250.- EUR nach Hause. Auf der Arztrechnungen finden sich dann Positionen wieder, wie z.B. „Untersuchung an mehreren Organen, Beratung auch telefonisch, ungewöhliche Begleiterkrankung, Laborkosten usw. Um es mit den Worten der Automobilbranche zu sagen, sie kommen in die Werkstatt um den Ölstand nachzusehen und gehen mit einer großen Inspektion im Wert von 750.- EUR wieder nach Hause. Da die Privatpatienten die Rechnungen ja nur bei der Kasse einreichen müssen und alles erstattet bekommen, haben die Ärzte gegenüber ihren Patienten auch kein schlechtes Gewissen. Bei Physiotherapien werden 20 Stunden abgerechnet, aber nur 10 Stunden durchgeführt, der Patient kann ja schließlich kostenlos und ohne Probleme ein neues Rezept bringen. Die kriminelle Phantasie unsere Ärzte ist hier fast grenzenlos.

Die Allianz AG vermutet unplausible Positionen in etwa jeder zwölften Arztrechnung, die Gothaer in jeder elften, die Ergo-Tochtergesellschaft DKV in jeder zehnten. Das wahre Ausmaß der Schummelei dürfte freilich viel größer sein. Die Rechnungen würden inzwischen „so clever aufgeplustert, dass wir es in vielen Fällen unmöglich bemerken können“, klagt ein Sprecher des Ergo-Konzerns.

Viele Ärzte haben sich Hilfe geholt, um aus der Kundschaft das Maximum herauszuholen. Privatärztliche Verrechnungsstellen werben damit, die Rechnungen im Interesse des Mediziners zu optimieren. In den Praxen kommen Computerprogramme zum Einsatz, mit denen der Doktor alle Abrechnungsmöglichkeiten ausschöpfen kann.

Fachleute sprechen neudeutsch von „Upcoding“: Ein Tastendruck genügt, schon listet der Rechner alle Leistungen auf, „welche bei Auftreten eines jeweiligen Krankheitsbildes möglicherweise erbracht und liquidiert werden können“, heißt es etwa im Handbuch der Praxis-Software „GOÄ-Assistent 1.0“.

Die attraktive Zielgruppe, immerhin 8,5 Millionen Menschen, verheißt noch glänzende Geschäfte. Goldzähne, Kuren, Chefarztbehandlungen – was die gesetzlichen Krankenkassen oft verweigern, wird von der privaten Krankenversicherung (PKV) anstandslos erstattet. Ein Plausch mit dem Privatpatienten bringt dem Arzt gut 20 Euro ein – viermal mehr als die Unterredung mit einer „Chipslette“, wie Kassenpatienten in Medizinerkreisen gelegentlich genannt werden.

Die Intensivbetreuung treibt die Versicherungsprämien von Jahr zu Jahr mit oft zweistelligen Raten in die Höhe und gefährdet mittlerweile schon das Geschäftsmodell der gesamten Branche. Immer mehr Kunden ärgern sich über die ständigen Beitragsanhebungen. „Erst wird man angelockt, dann wird man abgezockt“, sagt der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, selbst privat krankenversichert.

Und sogar die Privatkassen zweifeln daran, ob sie mit dem Versprechen einer vermeintlichen Luxusversorgung künftig überhaupt noch genügend Kunden ködern können. Erst kürzlich schlugen einige Versicherungskonzerne vor, das Geschäftsmodell der Branche grundlegend zu ändern.

Um den Pfuschern das Handwerk schwerer zu machen, gibt es jetzt neuerdings die Möglichkeit Ärzte online zu bewerten. Alles weitere findet ihr hier.

Advertisements