Jährlich sterben mehr Menschen an Krankenhauskeimen als an der Immunschwäche AIDS. Vor allem Infektionen mit einem resistenten Bakterium bereiten Medizinern große Sorgen, denn es verbreitet sich inzwischen nicht mehr nur in Krankenhäusern, sondern auch außerhalb von Kliniken und das mit einer hohen Geschindigkeit.

MRSA – Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus ist der Name dieses heimtükischen Bakteriums, an dem sich in den USA jährlich etwa 100.000 Menschen lebensbedrohlich infizieren. Fast 20% von ihnen sterben an dieser Infektion, die bisher mit Antibiotika noch nicht richtig behandelt werden konnte. Nach einer Untersuchung des Berliner Hygienikers Dr. Klaus-Dieter Zastrow in deutschen Krankenhäusern ist die bei 13% der im Krankenhaus verstorbenen Patienten eine Infektion die Ursache, die sie sich erst dort zugezogen haben. Auf Deutschland hochgerechnet sind dies bis zu 40.000 Tote pro Jahr.

Die hygienische Situation in zahlreichen deutschen Krankenhäusern ist nach Recherchen des ARD-Magazins „Plusminus“ mangelhaft. Viele Ärzte desinfizieren ihre Hände nicht richtig. Bei Stichproben in den allgemein zugänglichen Bereichen mehrerer Krankenhäuser war die Hälfte der Ärzte zu hoch mit Keimen belastet.

Dieses stichprobenartige Ergebnis wird von verschiedenen Untersuchungen gestützt. Professor Manfred Wolff von der Universität Witten/Herdecke kritisiert, dass viele Ärzte ihre Hände oft nicht fachgerecht desinfizieren. „Nahezu jeder zweite Arzt macht das nicht ordnungsgemäß. Und es gibt sogar Untersuchungen, die festgestellt haben, dass auf der Hand eines Arztes die Keimzahl höher war als auf einem Toilettendeckel.“

Jeder zwanzigste Patient steckt sich im Krankenhaus mit einem neuen Keim an, pro Jahr mehr als eine halbe Million. Die Folgen reichen von einer Blasenentzündung bis zur Beinamputation. 40.000 Mal im Jahr enden solche Infektionen sogar tödlich.
Die mangelhafte Krankenhaushygiene verursacht zudem horrende Kosten: Allein für die medizinische Behandlung von Patienten, die sich im Krankenhaus anstecken müssen pro Jahr 1,5 Milliarden Euro ausgegeben werden. Zusammen mit den indirekten Kosten für den Arbeitsausfall wächst die Summe sogar auf rund das Doppelte.

Eine bessere Hygiene in deutschen Krankenhäusern könnte einen erheblichen Teil dieser Kosten vermeiden. Wenn die Hygienerichtlinien überall eingehalten würden, könnten bis zu 50% der Infektionen vermieden werden, so Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene.

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