Wie Forscher jetzt herausgefunden haben, besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Infektionskrankenheiten und der Anzahl von religiösen Glaubensgemeinschaften. Natürlich ist es nicht so, dass religiöse Rituale Infektionskrankheiten begünstigen, sonder es ist umgekehrt. Das häufige auftreten von Infektionskrankheiten führt dazu, dass sich die Menschen zum eigenen Schutz in immer kleineren Gruppierungen zusammen finden und dann dort eine Art eigene Religion ensteht. Der gleiche Effekt wurde im übrigend schon vor einigen Jahren bei der Sprachentwicklung beobachtet.

Der Blick auf die globale Verbreitung der Religionen zeigt spricht eine deutliche Sprache. In den Tropen sind Glaubensgemeinschaften viel häufiger anzutreffen, als in gemäßigten Klimazonen. In der Elfenbeinküste etwa gibt es 76 religiöse Gruppierungen, während in Norwegen nur 13 gezählt werden. Brasilien hat sogar 159 verschiedene Religionen, das flächenmäßig größere Kanada dagegen nur 15.

Als Corey Fincher und Randy Thornhill von der University of New Mexico in Albuquerque die Vielfalt religiöser Gruppierungen in den jeweiligen Ländern zu diesen Daten in Beziehung setzten, ergab sich ein klarer Zusammenhang: Je größer die Bedrohung durch Infektionskrankheiten in einer Region ist, desto vielfältiger ist die religiöse Praxis, schreiben Fincher und Thornhill im Fachmagazin „Proceedings B“ der britischen Royal Society.

Wie seriös die Auswertung der Studie ist, das kann ich vom grünen Tisch nicht endgültig beantworten, doch besteht noch ein weiterer entscheidender Zusammenhang, nämlich der zwischen Temperatur und Infektionskrankheiten. Überall dort auf der Welt, wo die Temperaturen höher sind, da treten natürlich auch schneller Infektionen auf. Zudem ist in der Regel der Zivilisationsgrad in den etwas wärmeren Ländern niedriger, als in Ländern wie Deutschland, Norgwegen oder Kanada. So denke ich, dass am Anfang der Bezug Temperatur und Religion steht. Die großen Weltreligionen, wie das Christentum, der Islam, das Judentum oder der Buddhismus sind alle in Gegenden entstanden, in denen eine höhere Durchschnittstemperatur herrschte. Ob der Zusammenhang Temperatur, Infektionsrisko, Religionsgruppen zu halten ist, oder ob nicht andere Folgen der höheren Temperaturen eine Rolle spielen, das ist in meinen Augen unbewiesen geblieben. Dazu müsste man andere Faktoren wie die Sprache, Lebensgewohnheiten oder Bildungsgrad ausschließen. Auch in Europa haben Seuchen gewütet, doch sind dadurch keine neuen Glaubensgemeinschaften entstanden. Vielleicht hat da mal wieder nur jemand verzweifelt nach einer neuen Sau gesucht, die er durchs Dorf jagen kann.

Advertisements