Einer Studie von Urologen und Internisten der Universität Bonn zufolge sind Nierentransplatationen in der Nacht deutlich öfter mit Komplikationen verbunden als tagsüber. Demnach erfordern nächtliche Eingriffe mehr als doppelt so häufig eine weitere Operation. Auch die Gefahr, dass das Spenderorgan vorzeitig versagt, ist bei Nacht-OPs höher.

Die Bonner Mediziner haben insgesamt 260 Nierentransplantationen analysiert, von denen etwa 60% der Operationen waren tagsüber durchgeführt wurden und 40% zwischen 8 Uhr abends und 8 Uhr morgens. Gut 16% aller Nacht-Nieren“ mussten aufgrund von chirurgischen Komplikationen im Monat nach der Transplantation ein weiteres Mal operiert werden. Bei den Tag-Nieren“ lag die Komplikationsrate mit gut 6% wesentlich niedriger. Nierentransplantationen sind verhältnismäßig komplizierte Eingriffe und erfordern höchste Aufmerksamkeit, die nachts einfach nicht gegeben ist. Man hat lange geglaubt, dass die Nieren um jeden Preis möglichst frisch sein müssen, damit die Transplantation erfolgreich verläuft“, sagt Dr. Guido Fechner, einer der Autoren der Studie. Als optimal gilt momentan, wenn das Organ spätestens 18 Stunden nach seiner Entnahme wieder eingesetzt wird. Eine Nierentransplantation könnte innerhalb dieses Zeitfensters durchaus einmal von 5 Uhr morgens auf 8 Uhr verschoben werden, ohne das das Transplantat darunter leidet“, betont der Mediziner. Eine Alternative ist die Lebendnierenspende, bei der die Niere einem lebenden Spender entnommen und direkt dem Empfänger eingepflanzt wird. Dies geschieht immer am Tag.

Im Schnitt halten“ Spendernieren 9 Jahre, es gibt aber auch Transplantate, die nach mehr als 20 Jahren noch gut funktionieren. Mit entscheidend scheint auch hier die Zeit, zu der die Operation erfolgte: Tages-Nieren‘ funktionieren zu mehr als 90% noch 5 Jahre nach der Transplantation einwandfrei, bei Nacht-Nieren“ sind es nur 80%.

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