Ins Visier der ARD sind jetzt die zahlreichen Gesundheitsportale gekommen. Mit einem schlecht recherchierten Artikel wird vor ihnen gewarnt, weil sie angeblich von Pharmaunternehmen bezahlt werden. Gut, dass die ARD auch gleich Abhilfe parat hat. Es wird auf ein Portal verwiesen, dass von anderen Geldgebern abhängig ist.

Die ARD leistet sich hier einen Bärendienst, denn wir haben alle noch gut die Schleichwerbeskandale der letzten Jahre in Erinnerung. Wer sich also jetzt aus dem Fenster lehnt und mit dem Finger auf andere zeigt, der sollte erst mal vor den eigenen Türe kehren. Eine neutralere Berichterstattung hätte jedenfalls den Bericht, der unter http://www.tagesschau.de/inland/internetgesundheit102.html nachzulesen ist, glaubwürdiger erscheinen lassen.

Der Bericht der ARD erweckt den Eindruck, dass Gesundheitsportale bessere Internetapotheken seien, auf denen das Medikamente „XY“ als die einzige und ultimative Lösung angepriesen würde. Dem ist mitnichten so. Portale werden benutzt um Informationen auszutauschen, die man in ihrer Vielfalt von einem einzelnen Arzt schon aus Zeitgründen nicht erhalten kann. Gerade die Vielfalt dieser Portale machen ja ihren Reiz aus. Auch der Austausch von Patienten untereinander in Foren wie z.B. imedo.de sind ein Angebot, dessen Qualität wohl schlecht von Pharmaunternehmen beeinflusst werden kann. Wer also daher kommt, Gesundheitsportale schlecht macht und gleichzeitig das einzig wahre und qualitativ hochwertige Portal anpreist, der macht sich des Rufmordes schuldig und verdient sich eben dieses Schicksal für sich selber. Viel offensichtlicher kann man ja schon kaum noch zum Ausdruck bringen, wessen Lied hier gesungen wird.

Der ARD würde ich wünschen, sich auf ihren eigentlichen Auftrag zu besinnen. Wer sich von den Geldern der Leser und Zuschauer fürstliche Honorare bezahlen lässt, sollte an seine journalistische Arbeit etwas höhere Ansprüche stellen, als es der Artikel von Annika Einsle für sich in Anspruch nehmen kann.

Ich bin trotzdem zuversichtlich, dass die Nutzer der verschiedenen Portale in Zukunft per Mausklick ihre Zustimmung zur Existenz dieser Portalvielfalt dokumentieren. Schließlich haben sie besser als die Redaktion der ARD verstanden, was der Sinn dieser Portale ist, nämlich Informationsvielfalt und Meinungsaustausch. Und die Leser verstehen auch, dass Informationen fast immer auch einen subjektiven Anteil haben, denn wir sind Menschen und keine Roboter.

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