Eine Untersuchung von HI-Viren aus den 60er Jahren ergab, dass das Virus spätestens um das Jahr 1900 herum aufgetreten sein muss. Das zumindest schließen US-Forscher aus einer Genanalyse der beiden ältesten bekannten Erreger-Proben. Die beiden Virusvarianten unterscheiden sich bereits so stark voneinander, dass sie sich schon Jahrzehnte zuvor von ihrem gemeinsamen Vorfahren getrennt haben müssen, schreiben Michael Worobey von der University of Arizona in Tucson und seine Kollegen in der Fachzeitschrift „Nature“ (Bd. 455, S. 661).

Das massenhafte Auftreten des Virus wird auf die Entstehung von Großstädten zurückgeführt, denn nur dort fand das Virus in dieser Zeit ideale Bedingungen vor. Heute ist durch die größere Mobilität auch eine Ausbreitung in weniger stark besiedelten Gebieten möglich, wie die Statistik zeigt. Demnach sind von den weltweit ca. 55 Millionen infizierten Menschen alleine 30 Millionen in Afrika zu finden.

In Europa und Amerika wurden die ersten Infektionen zu Beginn der 80er-Jahre festgestellt, doch erst 1983 konnten die Forscher um Robert Gallo (USA) und Luc Montagnier (Frankreich) das Virus identifizieren und als Krankheitserreger bestimmen. Dass Afrika das Herkunftsland der HI-Virus ist, war nicht von Beginn an bekannt, denn dort wurden die ersten Infektionen erst später festgestellt. Später fanden Forscher dann Belege dafür, dass sich das Virus vermutlich von einem Affenstamm, der nur in Zentralafrika vorkommt, durch den Verzehr von Affenfleisch auf den Menschen übertragen hat.

Es gibt zwar bis heute noch keine Medikamente, die das HI-Virus dauerhaft unschädlich machen können, doch kann mit entsprechenden Therapien der Ausbruch der Krankheit Aids um viele Jahre hinausgezögert werden. Betrug zu Beginn der Seuche die Lebenserwartung nur wenige Jahre, so kann heute der für medikamentös behandelte Patienten Zeitraum bis zum Ausbruch mehrere Jahrzehnte dauern. Und auch nach Ausbruch der Krankheit der den Infizierten noch geholfen werden.

Leider ist dies nicht überall in der Welt so. Gerade dort, wo Aids am häufigsten auftritt wird am wenigsten geholfen, weil keine Geld für Medikamente, Ärzte, Krankenhäuser und Schutzmaßnahmen vorhanden ist. Ein weiteres Problem ist die fehlende Aufklärung, die zu einer immer stärkeren Verbreitung des Virus führt, weil entsprechende Schutzmaßnahmen unterbleiben. Die andere Seite dieser Medaille finden wir in Europa, wo in vielen Gegenden trotz entsprechender Informationen HIV-Infizierte wie Aussätzige behandelt werden, weil die Menschen denken, der bloße Kontakt mit ihnen könnte zu einer Übertragung führen.

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