Das Internet bringt viele Gefahren mit sich, und eine der grössten, ist die Sucht. Hilfe zu dem Thema gibt es auch im Internet. Mehr in folgendem Interview, mit den Betreibern dieser Seite.

Stellen Sie bitte Ihre Internetseite kurz vor!
„Wir haben unseren Sohn ans Internet, an World of Warcraft verloren“ heißt der Untertitel der Seite. Unser Sohn ist onlinerollenspielsüchtig und wir haben aufgrund dessen eine Elterninitiative gegründet, um andere Eltern zu dieser Thematik aufzuklären. Wir stellen Forderungen, haben unzählige Informationen gesammelt (inkl. ARD-Dokumentation vom 12.08.08). Auf der Seite kann man sowohl eine Liste von Beratungsstellen finden als auch  eine Liste von Selbsthilfestellen und -gesuchen. Unter Aktuell kann man unsere Aktivitäten und auch Ereignisse zu diesem Thema finden. Hochinteressant sind die Foren

– „Ihr Eintrag“ mit Berichten aus Familien: http://rollenspielsucht.de/tinc?key=GGnpPGUP&start=-1&reverse=1

– Kinder berichten über spielende Eltern: http://rollenspielsucht.de/tinc?key=SXX9c0Hw&start=-1&reverse=1

– Aussteiger berichten über ihre Erlebnisse und Erkenntnisse: http://rollenspielsucht.de/tinc?key=s9pIqDSS&start=-1&reverse=1

Wie haben Sie mit Ihre Internetseite angefangen?
Nachdem wir ernüchtert feststellen mussten, dass wir trotz großem Einsatz keine Chance hatten, unseren Sohn zu einer stationären Therapie zu bewegen, wollten wir unsere Erkenntnisse und Erfahrungen aufschreiben und anderen mitteilen. Mit Hilfe eines Homepagebaukastens haben wir die Seite erstellt und am 08.05.07 (23. Geburtstag unseres onlinespielsüchtigen Sohnes) um 0.00 Uhr freigeschaltet. Dann nahm die Sache ihren Lauf.

Was war der größte Erfolg Ihrer Internetseite?
In diesem Zusammenhang kann man eigentlich nur schwer von „größtem Erfolg“ sprechen. Jeder Einzelne, von dem wir Kenntnis erhalten, dass er wieder im realen Leben angekommen ist, ist ein großer Erfolg. Davon gibt es, Gott sei Dank, mittlerweile ganz viele. Dies alles trägt dazu bei, die Kraft und Energie für diesen täglichen Einsatz aufzubringen.

Weitere Erfolge:

– Wenn wir Eltern Mut machen können, den Kampf nicht aufzugeben.

– Wenn wir bei Vorträgen eine Betroffenheit auslösen können, die zu einer Bewusstseinsänderung führt.

– Niemals hätten wir geglaubt, dass seit Mai 2007 bis 16.10.2008   275.000 Zugriffe (nur Erstzugriffe werden gezählt) erfolgt sind. Allein im August 2008 (ARD-Dokumentation „Spielen, spielen, spielen…wenn der Computer süchtig macht“) gab es 78.000 Zugriffe.

Welche Themen interessieren Ihre Benutzer am meisten?
Bei den Aufrufen: Unsere Geschichte, die Forderungen, Informationen, die Berichte der Aussteiger, Selbsthilfe

Bei den Emails:

– Ganz viele Menschen schildern uns ihre zum großen Teil dramatische Familiensituation und hoffen auf Hilfe.

– Anfragen nach Beratungsstellen

– Anfragen nach Selbsthilfegruppen.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt und sind diese erreicht worden?
Nachdem wir bei unserer persönlichen Situation nicht helfen konnten, dachten wir: „Wenn wir früher gewusst hätten, dass es so etwas gibt, hätten wir vielleicht etwas verhindern können.“ Nachdem wir festgestellt hatten, dass ganz viele Menschen von der Onlinesucht betroffen sind, wollten wir unsere Geschichte erzählen und aufzeigen, wohin  Medienmissbrauch führen kann. Wir haben viele Menschen erreicht und gezeigt, was man zu zweit auf die Beine stellen kann. Nun haben wir den Verein AKTIV GEGEN MEDIENSUCHT e.V. (www.aktiv-gegen-mediensucht.de) gegründet und wollen andere betroffene Angehörige oder ehemals Betroffene einladen, eine ähnliche Arbeit mit uns in ihrem Umfeld zu leisten. Wir haben festgestellt, dass die Internetrollenspielsucht nicht einfach da ist. Sie kommt schleichend. Diese „Drogen“ werden Kindern meistens von den Eltern und Verwandten von klein auf verabreicht. Es gibt mit elektronischen Medien hochgerüstete Kinderzimmer. Wenn dann das uneingeschränkte, schnelle Internet mit Rollenspielen (meist Jungen) oder Chatrooms (eher Mädchen) hinzukommt, bricht sich die Faszination Bahn und die jungen Menschen geraten oft in den Sog virtueller Welten. Dann gibt es kein Halten mehr.

Unser Motto:Der Missbrauch elektronischer Medien soll so unpopulär wie Alkohol- und Drogenmissbrauch werden

Wir sind daran interessiert, Zusammenhänge aufzuzeigen und nach Alternativen zu suchen. Unbedingt muss mit einbezogen werden: eine häufige Perspektivelosigkeit junger Menschen im realen Leben; viele wollen nicht mehr täglich wie die Eltern in einem Dauerexistenzkampf stecken müssen. In der virtuellen Welt kann man in eine andere Rolle schlüpfen und zusammen mit anderen erfolgreich sein.

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